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Covid-19: Ärzte ohne Grenzen fordert Transparenz bei steuerlicher Förderung von Impfstoffen  


Beiträge: 8
Admin
(@nis-2015)
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Beigetreten: vor 5 Jahren

Zur Info hier gepostet von (Quelle),

 

Covid-19: Ärzte ohne Grenzen fordert Transparenz bei steuerlicher Förderung von Impfstoffen

  1. November 2020

Mit Blick auf die milliardenschweren Steuersubventionen für die Impfstoffentwicklung fordert Ärzte ohne Grenzen volle Transparenz bei öffentlichen Investitionen und Vorabverträgen für Impfstoff-Kontingente. Regierungen müssen von den Pharmakonzernen dringend Auskunft über alle Lizenzvereinbarungen für Impfstoffe sowie über die Kosten und Daten klinischer Studien verlangen, so die internationale Hilfsorganisation.

Weltweit werden Lizenzvereinbarungen über Impfstoffe getroffen und vor der Öffentlichkeit geheim gehalten, obwohl diese Impfstoffe weltweit mit beispiellos hohen Summen aus der öffentlichen Hand finanziert werden. So flossen mehr als zwölf Milliarden US-Dollar in die Forschung und Entwicklung, in klinische Studien und in die Herstellung von sechs potenziellen Covid-19-Impfstoffen: in Pfizer/BioNTech (2,5 Mrd. US-Dollar), AstraZeneca /Oxford University (über 1,7 Mrd. US-Dollar), Johnson&Johnson/BiologicalE (1,5 Mrd. US-Dollar), GlaxoSmithKline/Sanofi Pasteur (2,1 Mrd. US-Dollar), Novavax /Serum Institute of India (fast 2 Mrd. US-Dollar) und Moderna/Lonza (2,48 Mrd. US-Dollar). 

„So lange wir nicht wissen, was diese Verträge und Vereinbarungen beinhalten, wird die Pharmaindustrie weiterhin die Macht haben, darüber zu entscheiden, wer Zugang zu den Impfstoffen bekommt und zu welchem Preis“, sagt Kate Elder, Impfstoff-Expertin von Ärzte ohne Grenzen. „Ohne entschlossene Forderungen von Regierungen in Richtung der Herstellerfirmen ist ein gerechter Zugang zu Covid-19-Impfstoffen ernsthaft in Gefahr. Die Öffentlichkeit hat das Recht zu erfahren, was Bestandteil dieser Deals ist – eine Pandemie ist nicht der richtige Zeitpunkt für Intransparenz, dafür steht zu viel auf dem Spiel.“

Öffentliche Investitionen brauchen strikte Bedingungen, die sicherstellen, dass alle Lizenzvereinbarungen, Kosten und Daten im Zusammenhang mit Covid-19-Impfungen veröffentlicht werden. Ohne diese Informationen ist es unmöglich, bezahlbare Preise zu gewährleisten sowie kritisch die Sicherheit und Wirksamkeit zu überprüfen. 

Dass es auch anders geht zeigt die brasilianische Forschungseinrichtung Fundação Oswaldo Cruz (Fiocruz), die ihre Lizenzvereinbarung mit dem Pharmakonzern AstraZeneca online veröffentlichte. Obwohl die Vereinbarung mit Schwärzungen öffentlich wurde, ist das ein erster wichtiger Schritt, der andere Akteure ermutigen sollte, dem Beispiel zu folgen. Außerdem wurde erst durch die Veröffentlichung bekannt, dass AstraZeneca sich die Möglichkeit vertraglich vorbehalten hat, die Pandemie bereits im Juli 2021 für „beendet“ zu erklären, um ab diesem Zeitpunkt von Regierungen und anderen Käufern hohe Preise für einen Impfstoff verlangen zu können, der vollständig von der Öffentlichkeit finanziert wurde. 

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1 Antwort
Beiträge: 3
Admin
(@annette)
Mitglied
Beigetreten: vor 7 Monaten

Ein Pharmakonzern kann eine Pandemie öffentlich für beendet erklären? Meine Güte!

Abgesehen von der Intransparenz, welche Gelder aus den Steuerkassen wohin fließen und dadurch Pharmakonzerne die Macht über ihre Mittel behalten, finde ich auch den Aspekt von den demokratischen Ärztinnen und Ärzten einen sehr wichtigen:

Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte kritisiert

„Impfstoff-Nationalismus“ und private Profite bei Impfstoffentwicklung

 

Die Pharmaunternehmen Pfizer Inc. und BioNTech SE gaben in einer Pressemitteilung vom 9. November 2020 (1) ein positives Zwischenergebnis in der Entwicklung eines Impfstoffs gegen SARS-CoV-2 bekannt. Eine transparente Überprüfung durch die globale Wissenschaftsgemeinschaft steht noch aus. Währenddessen behindert die deutsche Bundesregierung eine global gerechte Impfstoffverteilung; Profitmaximierung als grundlegendes Prinzip der beteiligten Unternehmen wird zu wenig hinterfragt.

 

Solidarität statt Nationalismus

Wie bei anderen Impfstoffkandidaten haben sich auch in diesem Fall wenige reiche Staaten, darunter auch Deutschland, schon den größten Teil des Impfstoffs in intransparenten Vorverträgen gesichert. „Es ist nicht absehbar, dass ein vielleicht in näherer Zukunft anwendbarer Impfstoff gegen SARS-CoV-2 als öffentliches Gut allen Menschen in gleichem Maße zu Gute kommen wird. Was wir beobachten, ist ein verschärfter ‚Impfstoff-Nationalismus‘, der auch von der deutschen Bundesregierung vertreten wird“, kritisiert Andreas Wulf, Mitglied im Vorstand des vdää, und fügt hinzu: „Teil einer gerechteren, nachhaltigeren Strategie wären Transparenz der Verträge und Kalkulationen für den geplanten Verkaufspreis des Impfstoffs, die Überführung von Daten, Lizenzen und Know-How in den Covid19 Technology Access Pool bei der WHO und ein rascher globaler Technologietransfer.“

 

Privater Reichtum durch Arzneimittelherstellung ist keine Erfolgsgeschichte

Mit der Meldung positiver Forschungsergebnisse wurde in vielen Presseberichten auch die „einzigartige Erfolgsgeschichte“(2) von BioNTech erzählt. „Dieser öffentliche Diskurs ist symptomatisch für die scheinbare Alternativlosigkeit einer profitorientierten Arzneimittelherstellung, die letztlich auch den ‚Impfstoff-Nationalismus‘ befördert, weil die zahlungskräftigsten Abnehmer*innen bevorzugt werden“, gibt Felix Ahls, Mitglied im Vorstand des vdää, zu bedenken. „Für uns ist es aber nicht selbstverständlich, dass Arzneimittelherstellung zur Steigerung privaten Reichtums genutzt werden kann.“

Pharmakonzerne funktionieren dabei aber nur in dem von Regierungen bereitgestellten Rahmen. Dieser Rahmen muss im Sinne globaler Solidarität und Gemeinwohlorientierung verändert werden. Wie bei BioNTech sind es immer auch relevante öffentliche Forschungs- und Entwicklungsgelder, die solche Innovationen ermöglichen. Diese Investitionen müssen die öffentliche Nutzung der Ergebnisse sicherstellen und nicht in erster Linie privaten Reichtum fördern.

 

Eine gemeinwohlorientierte Pharmaindustrie aufzubauen, Patentrechte nicht über Menschenrechte zu stellen und den globalen Wissensaustausch im Bereich der medizinischen Forschung zu vertiefen, sind zukunftsweisende Lehren, die aus der Covid-19-Pandemie gezogen werden müssen.

 

Im Namen des Vorstands der vdää

Felix Ahls und Andreas Wulf

 

(1) https://investitionsbeschränkende/de/news-releases/news-release-details/pfizer-und-biontech-geben-erfolgreiche-erste-zwischenanalyse

(2) https://www.rnd.de/wirtschaft/biontech-grunder-sahin-und-tureci-die-kampfer-gegen-die-pandemie-T2AANGWUCFBSPEXTNHZTVJHJ3Q.html

 

Dr. Nadja Rakowitz

Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte

Geschäftsstelle: Kantstr. 10 • 63477 Maintal

Tel 06181 - 432 348 • Mobil 0172 - 185 8023

Zeitschrift des vdää: http://gbp.vdaeae.de/  

 

Profitmaximierung als grundlegendes Prinzip der an der Impfstoffentwicklung beteiligten Unternehmen wird zu wenig hinterfragt - oder, wenn es ein gemeinnütziges Ziel gibt, wird es in unserer marktorientierten Gesellschaft zu wenig transparent gemacht und nicht zur Diskussion gestellt.

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