Benachrichtigungen
Alles löschen

MEZIS Positionspapier: Covid-19: Diskussion um Impfpflicht und Immunitätsausweis ist zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht

Seite 1 / 2

Beiträge: 8
Admin
Topic starter
(@sahen_2015)
Mitglied
Beigetreten: vor 6 Jahren

Der MEZIS Vorstand hat im Austausch mit Kollegen anderer gesundheitspolitisch aktiver Gruppen das Positionspapier "Covid-19: Diskussion um Impfpflicht und Immunitätsausweis ist zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht" verfasst. Nun ist Ihre Meinung gefragt. Wir möchten Sie herzlich einladen, sich in diesem Forum an der Diskussion zu beteiligen. Die Ergebnisse fließen in die Stellungnahme ein, die wir anschließend als offizielles MEZIS Positionspapier veröffentlichen und über die Presse verbreiten möchten.

###

MEZIS Positionspapier: Covid-19: Diskussion um Impfpflicht und Immunitätsausweis ist zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht

In einem Positionspapier weist die Ärzteinitiative MEZIS e.V. darauf hin, dass eine sachliche, konstruktive und zielführende Diskussion für eine Pflicht zur Covid-19-Impfung und zum Mitführen eines SARS-CoV-2-Immunitätsausweises zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht ist. MEZIS befürchtet den Einsatz von nicht ausreichend getesteten Impfstoffen und Immunitätstests mit geringer Aussagekraft und spricht sich für wissenschaftlich-medizinische, finanziell und interessenunabhängige Studien zur Erforschung der Datenlage aus. Bei der Entwicklung der Impfstoffe und Behandlungsmethoden darf die Sicherheit nicht leiden. Entwicklungs- und Zulassungsverfahren dürfen angesichts des enormen ökonomischen und gesellschaftlichen Drucks nicht verkürzt werden. Die Wirksamkeit der Impfstoffe muss nachgewiesen und die Sicherheit für Patientinnen und Patienten gewährleistet sein.

Der Autor des Positionspapiers sieht weitreichende präventive Maßnahmen als derzeit einzig probates Mittel, das Virus einzudämmen. Er plädiert für umfassende Hygienemaßnahmen, regelmäßiges Testen der Infektionslage bei gefährdeten Personengruppen, insbesondere bei medizinischem und pädagogischem Personal, und Aufklärung über gesundheitsförderliches Verhalten.

 

1. Impfpflicht

In die Diskussion über eine Covid-19-Impfpflicht sollten derzeit  nach Ansicht von MEZIS die aktuellen Ergebnisse aus der Forschung stärker miteinbezogen werden. Es liegen noch keine gesicherten Erkenntnisse darüber vor, ob überhaupt eine Immunität gegen SARS-CoV-2 durch eine Infektion hervorgerufen wird. Ob solch eine Immunitätsreaktion im Menschen mit einem noch zu entwickelnden Impfstoff ausgelöst und zufriedenstellend erreicht werden kann, um Individuen gegen eine Covid-19-Erkrankung zu schützen, ist ebenfalls bislang unklar. Zudem benötigt die Ausführung von kontrollierten randomisierten Studien zur Überprüfung der Wirksamkeit der Impfung eine Kontrollgruppe aus nicht geimpften Individuen, die es bei einer Impfpflicht nicht geben kann. Auch eine Impfpflicht „durch die Hintertür“, indem eine gesetzliche Vorgabe bestimmte Berufsgruppen oder auch Kinder vor Aufnahme in eine Kinderbetreuungsstätte oder Schule dazu zwingt, eine Impfung vorzuweisen, ist nach jetzigem Stand der Forschung nicht sinnvoll und wahrscheinlich sogar kontraproduktiv in Bezug auf eine Akzeptanz in der Bevölkerung.

Obwohl die Aussagekraft von Antikörpertests hinsichtlich einer SARS-CoV-2-Infektion bislang ungeklärt ist, verkaufen Antikörpertesthersteller bereits ihre Produkte. Ähnliche Entwicklungen lassen sich bei der Impfstoffentwicklung vorhersehen. Es ist im öffentlichen Interesse, dass die Impfstoffe ausreichend, das heißt in randomisierten, von Unternehmen und deren Profitabsichten und weiteren wirtschaftlichen Interessen unabhängigen Studien, überprüft werden, insbesondere auf die Unschädlichkeit in der Entwicklung von Kindern und auf Spätfolgen. Außerdem sind industrieunabhängige, bevölkerungsbezogene (repräsentative) Postmarketing-(Phase-IV)-Studien über mindestens 12 Monate zu allgemeiner Morbidität und Mortalität der Geimpften und Nicht-Geimpften durchzuführen.

Es ist zurzeit kein Gremium identifizierbar, das solch eine unabhängige Prüfung im größeren Rahmen begleiten und koordinieren könnte (weder die WHO noch ländereigene Institutionen).

Sobald ein nebenwirkungsarmer, in unabhängigen Studien nachgewiesener, hochwirksamer Impfstoff entwickelt und hergestellt werden kann, ist eine Impfung empfehlenswert und wird höchstwahrscheinlich auch ohne Impfpflicht zu einer hohen Impfrate führen.

 

2. Immunitätsausweis

Aus denselben Gründen ist nach Meinung von MEZIS zurzeit ebenso wissenschaftlich nicht begründbar, einen wie auch immer gearteten „Immunitätsausweis" einzuführen. Die Studienlage gibt Hinweise darauf, dass eine „Erreger-Abwehr“ nicht allein durch eine T-Zell-Immunität und Antikörperbildung erfolgt, sondern dass auch andere Zellprozesse (ACE2-Rezeptor-Interaktion) beteiligt sind, die nicht durch Ausbildung von Antikörpern angezeigt wird. Daraus folgt, dass ein fehlender Immunitätsnachweis (keine Antigen-Antikörper-Reaktion nachweisbar) nichts darüber aussagt, ob sich eine Person infizieren kann. Auch sind die Tests zum Nachweis von Antikörpern nach einer erfolgten Infektion bisher bezüglich ihrer falschpositiven bzw. falschnegativen Ausfälle ungenügend präzise, so dass die Ergebnisse aus diesen Tests momentan wenig aussagekräftig sind.

 

3. Erwartungen der Politik und Öffentlichkeit

Bisher wird ausschließlich auf medikamentöse Behandlung und Impfung gesetzt. Pharmaunternehmen sehen sich unter hohem Leistungsdruck und starker Konkurrenz, so dass die Phasen der Überprüfung von möglichen Substanzen aus Gründen der Zeitersparnis zusammengelegt werden. MEZIS befürchtet, dass höchstwahrscheinlich schnell Substanzen auf dem Schwarzmarkt erhältlich sind, die unzureichend auf ihre Wirksamkeit und Unbedenklichkeit getestet wurden, aber trotzdem reißenden Absatz finden. Ein in Oxford entwickelter Impfstoff wird bereits in Massen produziert, ohne einen Nachweis von randomisierten, kontrollierten unabhängigen Studien.

Optimale Public-Health-Maßnahmen sind bisher nicht ableitbar. Für den Fall, dass es keine wirksame Impfung geben wird, sollten allgemein präventive Maßnahmen entwickelt, propagiert und unterstützt werden, insbesondere das Werben für eine gesunde Lebensweise (Ernährung, Bewegung, Schlaf, Rauchstopp, Stressabbau, Frischluft, …), die eine Infektion zwar nicht verhindern, aber deren Verlauf mildern kann.

 

Fazit:

Ein wirksamer Impfstoff oder ein Schutz vor infizierten Personen durch einen Ausweis ist bis zu einer deutlich verbesserten wissenschaftlichen Datengrundlage unrealistisch. Auch wenn bereits im großen Stil Antikörpertests oder Impfstoffe hergestellt werden, ist es im öffentlichen Interesse, dass die Entwicklung von Impfstoffen und Durchführung von Antikörpertests in kontrollierten randomisierten, von Unternehmen und Gewinnen unabhängigen Studien auf ihre Wirksamkeit (Spezifität und Sensibilität) getestet werden. Die Impfstoffe müssen unter der Aufsicht von unabhängigen Gremien auf ihre Wirksamkeit und Unschädlichkeit getestet werden. Auch die Spätfolgen, Einflüsse auf die Kindesentwicklung und Wirksamkeit unter verschiedenen regionalen (und individuellen physiologischen) Bedingungen sind zu beobachten, bevor überhaupt an eine Verteilung zu denken ist. Entwicklungs- und Zulassungsverfahren dürfen angesichts des enormen ökonomischen und gesellschaftlichen Drucks nicht verkürzt werden. Die Wirksamkeit des Verfahrens und die Sicherheit für Patienten müssen gewährleistet sein.

10 Antworten
Beiträge: 8
(@dietrich)
Mitglied
Beigetreten: vor 5 Jahren

Ich finde den Zeitpunkt für eine solche Stellungnahme verfrüht:

- Ausreichende Testung von Impfungen vor deren breiter Anwendung: Das ist ein no-brainer. Nicht ausreichend getestete Impfstoffe wären in ihrer Akzeptanz bei Patienten und Ärzten - nicht nur bei Impfgegnern - zweifellos sehr schlecht.

- Antikörpertests: Alle wissen, dass die derzeitigen Tests nicht ausreichend gut sind. Mein Labor bietet zwar Tests an, hat aber mehrfach vor breiter Anwendung gewarnt. Dass viele Tests, auch Schnelltests, die noch einmal eine viel schlechtere Sensitivität und Spezifität haben, erhältlich sind, und offensichtlich auch zur Anwendung kommen, daran wäre Kritik angebracht. Das wäre allerdings eine Kritik an den Ärzten, die die Tests anbieten (es gibt auch keine GKV-Abrechnungsmöglichkeit, schau an).

- Immunitätsausweis: Was spricht gegen einen "Immunitätsausweis" in Form eines positiven Antikörpertests? Diese Art des "Immunitätsnachweises" wird doch gerade oft verwendet, um Impfungen zu vermeiden. Das Problem ist, dass die Antikörpertests noch nicht gut genug sind, und dass vielleicht auch Menschen immun sind, die keine Antikörper haben. Wenn ein guter Antikörpertest zur Verfügung stünde, d.h. dass die Antikörper auch Immunität nachweisen, spräche doch nichts dagegen, das Ergebnis - wie bei anderen Antikörpertests - in den Impfpass einzutragen.

- Impfpflicht: Hier bei MEZIS ist Impfen und Impfskepsis ein gefährliches Thema. Es wäre am besten, dazu keine Stellungnahme abzugeben, erst recht keine, die Standardargumente von Impfgegnern durchspiegelt ("... Unschädlichkeit in der Entwicklung von Kindern und auf Spätfolgen ..."). "Sobald ein nebenwirkungsarmer, in unabhängigen Studien nachgewiesener, hochwirksamer Impfstoff entwickelt und hergestellt werden kann, ist eine Impfung empfehlenswert und wird höchstwahrscheinlich auch ohne Impfpflicht zu einer hohen Impfrate führen." ist völlig richtig, aber es ist eigentlich nicht nötig, eine solche Banalität in ein MEZIS-Positionspapier zu schreiben. Niemand befürchtet ernsthaft eine Impfpflicht für Coronavirus, auch nicht "durch die Hintertür".

Ich möchte vor unnötigen und zwischen den Zeilen einseitigen (wer ist der Autor / sind die Autoren des Positionspapiers?) Pressemitteilungen, Positionspapieren o.ä. warnen. Es gibt unter den Mitgliedern - hoffentlich immer noch - sehr viele, die großen Wert auf evidenzbasiertes Handeln legen, und es gibt Mitglieder, die in ihren Praxen vollständig anders arbeiten.

Homöopathisch orientierte Kollegen mögen sich in ihrer ideologischen Welt und mit ihren Patienten wohl fühlen, aber leider gibt es dort auch eine starke Tendenz, sich bezüglich Impfungen sehr irregulär zu verhalten. Erst letzte Woche habe ich wieder einen Impfausweis einer jungen Frau gesehen, die als Säugling mit Revaxis grundimmunisiert worden ist - dieser Impfstoff ist ausdrücklich nicht für die Grundimmunisierung und erst ab 6. Lebensjahr zugelassen. Andere Praxen machen Grundimmunisierungen mit ebenfalls für Säuglinge nicht zugelassenem Td-Impfstoff. Immer mit Einverständnis der Eltern, versteht sich, aber völlig außerhalb der Zulassung und ohne, dass es für solche off-label-Impfschemata die geforderten ausreichenden Wirksamkeits-, oder erst recht Sicherheitsnachweise gibt.

Stellen Sie sich vor, eifrige Coronaärzte würden reihenweise Menschen mit einem für die Indikation (noch) nicht zugelassenen Impfstoff impfen und den Patienten versichern, sie seien dann immun, ohne Überwachung durch Studienprotokolle und Ethikkommissionen - undenkbar.

Ich möchte sehr stark von einem solchen Positionspapier von MEZIS abraten.

Im Interesse der Transparenz möchte ich auch darum bitten, dass den Mitgliedern die Autorenschaft und deren Interessenskonflikte mitgeteilt werden. Das betrifft auch die geschäftliche Ausrichtung der Praxis (Homöopathie?, Behandlung von / Spezialisierung auf Impfgegner?).

 

Viele Grüße an alle Kämpfer für eine von Fremd- und Eigeninteressen unabhängige Patientenbehandlung

Wolfgang Dietrich

 

 

Antwort
3 Antworten
(@pmdeckert)
Beigetreten: vor 1 Jahr

Mitglied
Beiträge: 1

@dietrich

Liebe MEZIS, liebe Frau Hensold,

auch ich kann Wolfgang Dietrich nur zustimmen, dass hier eine Diskussion geführt wird, die sich in Politik Bund Gesellschaft derzeit außerhalb von Autokratien und Diktaturen gar nicht stellt. Alles, was darin gefordert wird, unterstütze ich - aber das ist gegenwärtiger rechtsstaatlicher und wissenschaftlicher Standard.

Diese Diskussion jetzt vielleicht vorsorglich so zu führen, unterstellt, dass ernsthaft in Deutschland über ad-hoc-Zulassungen und Impfpflicht diskutiert werde. Damit würde sich MEZIS zum Sprachrohr und zur Argumentationshilfe für irrationale "Coronakritiker" und Verschwörungsphantasten machen.

Das wäre dann auch eine Frage der Identität und Glaubwürdigkeit. Die Gründungsidee von MEZIS habe ich stets als den rationalen und evidenzbasierten Widerstand gegen kommerzielle Beeinflussung ärztlicher Arbeit verstanden. In letzter Zeit höre ich öfter raubende Kritik am "herrschenden Denksystem" heraus. Das wäre ein Weg, den ich ganz sicher nicht mitgehen würde.

Mit freundlichen Grüßen

Prof. Dr. P. Markus Deckert

Antwort
(@zander)
Beigetreten: vor 1 Jahr

Mitglied
Beiträge: 2
(@zander)
Beigetreten: vor 1 Jahr

Mitglied
Beiträge: 2

@dietrich

Kommentar zu diesem Beitrag:

Aus der Medizingeschichte, also Pocken, spanische Grippe, Poliomyelitis, müssen wir lernen,

dass nur ein Impfzwang helfen kann. Diesen jetzt für Corona (Covid-19) zu diskutieren, ist verfrüht.

Zuvor sollte MEZIS klären, ob alle Mitglieder mit dem Unterzeichner zustimmen, wenn wir gut heißen:

  • Ohne Maske in Bus oder Bahn zahlt 150 € Bußgeld.
  • Bei starken lokalen Corona-Ausbrüchen können Behörden Bürgern das Verlassen und Betreten des betroffenen Gebiets verweigern.
  • Corona-Test Zwang ist legitim.
  • Rückkehrer aus einem Risikogebiet: Corona Test-Pflicht plus Quarantäne für 14 Tage.
  • Bundesverfassungsgericht (AZ: 1 BvR 469/20 und 1 BvR 470/20): Masern-Impfgegner dürfen ihre ungeimpften Kinder nicht in die Kita oder zur Tagesmutter bringen.
  • Das Verwaltungsgericht Regensburg bestätigte die Entscheidung des Landratsamts Dingolfing-Landau, das eine vollständige häusliche Quarantäne aller Beschäftigten auf dem Hof als Schutz vor einer weiteren Verbreitung des Virus angeordnet hatte (Az. RN 14 E 20.1311), gilt auch für negativ getestete Erntehelfer.
  • Göttinger Härtetest: 120 Menschen positiv auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 getestet. „kein freiwilliger Test, sondern wir werden das anordnen“, sagte Petra Broistedt, Leiterin des Göttinger Krisenstabes. Dreitägige Massentests aller 600 gemeldeten Bewohner des Hauses.

Zustimmung oder Ablehnung?

Nur bei mehrheitlicher Zustimmung sollten wir weiter diskutieren ...

Rolf Zander

zander@physioklin.de

Antwort
Beiträge: 1
(@andreas)
Mitglied
Beigetreten: vor 1 Jahr

Liebe MEZIs - ich kann mich Wolfgang Dietrich nur voll inhaltlich anschließen!

Mit freundlichen Grüßen

Andreas Grüneisen / Berlin

 

Antwort
Beiträge: 1
(@thomas)
Mitglied
Beigetreten: vor 1 Jahr

Liebe Frau Hensold,

Ihr Positionspapier unterstütze ich in vollem Umfang:  Motivation statt Zwang, kein Immunitätsausweis bei ungeklärtem Nutzen.

Als Anlage übersende ich Ihnen eine sehr lesenswerte Stellungnahme zu diesem Thema, sie untermauert meine kurze Notiz Daten und konkreten Argumenten!

https://impf-info.de/die-impfentscheidung/die-diskussion-über-die-impfpflicht/272-die-trumpisierung-der-impfdiskussion.html

Viele Grüße

Thomas Martin

Antwort
1 Antwort
(@dietrich)
Beigetreten: vor 5 Jahren

Mitglied
Beiträge: 8

@thomas

Liebe MEZIs, lieber Herr Martin,

https://impf-info.de/impressum.html

Der Autor ist Inhaber einer homöopathisch ausgerichteten Kinderarztpraxis ( https://www.der-rabendoktor.de/), die auch die so genannte "individuelle Impfentscheidung" fördert, sprich von den allgemeinen Empfehlungen (z.B. Stiko) abweichende Impfschemata.

Da Eigeninteressen eben auch ein Interessenkonflikt sind - und ich würde sagen, bei der eigenen Praxis ein starker -, fehlt das ein bisschen hier:

https://impf-info.de/interessenkonflikte.html

Welche Impfschemata in der Praxis angewendet werden, ob auch off-label-Impfungen erfolgen, und wie viel Anteil des Umsatzes individuelles Impfen generiert und auf welche Art, müssen Sie den Autor selbst fragen.

Ich selbst würde nicht außerhalb kontrollierter Studien off-label impfen, erst recht nicht Minderjährige. "Alternative" Impfschemata sind als Thema allerdings ein Fass ohne Boden; ich wollte mich lediglich dagegen aussprechen, dass MEZIS ein unnötiges und unnötig tendenziöses Positionspapier veröffentlicht.

Nach wie vor gehe ich davon aus, dass uns die genaue Autorenschaft noch mitgeteilt wird (oben steht nur: "Der MEZIS Vorstand hat im Austausch mit Kollegen anderer gesundheitspolitisch aktiver Gruppen...").

Das Positionspapier steht in der geplanten Form m.E. auch nicht auf dem Boden der MEZIS-Satzung: "Zweck des Vereins ist es, die wissenschaftliche und unabhängige Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten und anderer Heilberufe auf dem Gebiet der rationalen Arzneimitteltherapie und evidenzbasierten Medizin zu verbessern und Schaden für Patientinnen und Patienten durch unzweckmäßige Arzneiverordnungen abzuwenden und die derzeit vorhandene intransparente und irreführende Beeinflussung des Verordnungsverhaltens offen zu legen und zurückzudrängen. ..."

In diesem Sinn sollte MEZIS eher auf größtmögliche Transparenz bei den aktuell laufenden Corona-Impfstoffstudien, und meinetwegen auch bei den Antikörper-Tests, dringen; nicht in emotionalisierender Form etwas präventiv ablehnen, was es noch gar nicht gibt, worüber man zu wenig weiß, und was vielleicht gar nicht geplant ist. Das entspricht überhaupt nicht dem rationalen und evidenzbasierten MEZIS-Grundsatzziel.

Beste Grüße

Wolfgang Dietrich

Antwort
Beiträge: 1
(@dieter-stein)
Mitglied
Beigetreten: vor 1 Jahr

 Liebe Mezis, liebe Frau Hensold,

 Auch ich schließe mich im wesentlichen den Inhalt der Kollegen Dietrich und Deckert an und würde einen entsprechenden Weg von Mezis also  auch nicht mitgehen. 

Deutlich zu kurz gekommen ist mir eine Risiko Abwägung. Wir sind ohne weiteres bereit für mehrere 1000 Verkehrstote pro Jahr ins Auto zu steigen. Wir sind auch bereit einen wirksamen monoklonalen Antikörper in der Krebstherapie mit starken Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen. Der Nutzen scheint uns jeweils den möglichen Schaden zu übersteigen.

 Mit COVID-19 scheinen wir uns eine Krankheit gegenüber zu stehen mit einer vorzeitigen Sterblichkeit von ganz grob 2 % aller Infizierten? D.h. auf ein Volk wie Indien bezogen bei einer Durchseuchung von 70 % etwa 14 Millionen.

  Aus unserer eurozentrischen Sicht mag es angehen Testungen und umfangreiche Hygiene Maßnahmen zu fordern und als (vorübergehend) ausreichend anzusehen.

 In vielen Schwellen und Entwicklungsländer ist die Situation völlig anders. Diese Menschen können weder umfassende Hygienemaßnahmen einhalten noch Testungen bezahlen. Sie stehen also vor der Risiko Abwägung soll ich mich einer Infektionsgefahr aussetzen oder verhungern. 

 Nun legt Frau Hensold, wenn ich Sie richtig verstanden habe, die Latte so hoch, dass diese Menschen in absehbarer Zeit keinen Impfstoff erhalten können. „Spätfolgen“ > wieviel Jahre? „Kein Gremium identifizierbar“ > ist fast eine aporie also ein Zirkelschluss, nachdem es derzeit unmöglich ist diesen Menschen einen Impfstoff als Alternative in absehbarer Zeit zur Verfügung zu stellen.  Absehbare Zeit ist für diese Menschen der nächste Tag.  Dies ist die Mehrheit der Menschheit. 

 Wir müssen daher ein gewisses Restrisiko auch bei einer Impfstoff Entwicklung letztlich in Kauf nehmen. 

 Wo genau diese Grenze verläuft und ob sie im wohlhabenden Deutschland mit guter medizinischer Versorgung eine andere sein kann oder darf als in Schwellenländern oder Entwicklungsländern kann ich nicht beantworten, das müssten Ethiker tun. 

 Ich hoffe, dass sich Mezis im Sinne von Wolfgang Dietrichs Beitrag wieder auf seinen Gründungsmotiv und seine Kernaufgabe konzentriert. 

Mit besten Grüßen Dr. Dieter Stein 

Antwort
Seite 1 / 2